Seit 1990 beträgt die tarifliche Wochenarbeitszeit 37 Stunden (gegenüber 60 Stunden im Jahr 1900, 48 Stunden 1920, 45 Stunden 1960 und 40 Stunden im Jahr 1975). Die jährlichen Feiertage wurden im Gefolge eines erfolgreichen Streiks im Zusammenhang mit der Tarifrunde 1998 auf sechs Wochen pro Jahr erhöht. Die Reallöhne sind mit nur wenigen Unterbrechungen seit mehr als einem Jahrhundert stetig gestiegen. Die letzte Unterbrechung war in den Jahren nach der Krise von 2008, bis 2013 die Reallöhne wieder zu steigen begannen. Seit Anfang der 90er Jahre sind die Rentensysteme Teil des Tarifvertrags für alle Arbeitnehmergruppen. Darüber hinaus enthalten die meisten Tarifverträge Rechte auf bezahlten Mutterschaftsurlaub und bezahlte Ausbildung am Arbeitsplatz. Obwohl in den siebziger Jahren in Teilen des privaten Dienstleistungssektors, wie Hotel- und Gaststättengewerbe und IT, eine Welle gewerkschaftlicher Organisation zu beobachten war, sind erhebliche Teile dieses Sektors in Bezug auf die Gewerkschaftsorganisation nach wie vor schwach und fallen nicht unter Tarifverträge. Darüber hinaus haben sich die Arbeitgeberorganisationen erfolgreich dagegen gewehrt, nationale Tarifverhandlungen mit bestimmten Kategorien von Arbeitnehmern, z. B. Ingenieuren, aufzunehmen. Das Kapitel gliedert sich wie folgt: Abschnitt 1 stellt die wichtigsten Funktionen und Bausteine der Tarifverhandlungssysteme in den OECD- und Beitrittsländern vor. Abschnitt 2 enthält ein detailliertes und aktuelles Porträt der Akteure und des Umfangs der Verhandlungssysteme.

Sie enthält insbesondere vergleichbare Schätzungen der Gewerkschaftsdichte, der Arbeitgeberorganisationsdichte und der Tarifbindung nach Ländern, aber auch nach Branchen, Unternehmen und Arbeitnehmern. Der Abschnitt dokumentiert auch die Anwendung von Vereinbarungen, die über die Unterzeichnerparteien hinausgehen, durch erga omnes-Klauseln und Verwaltungsverlängerungen sowie über Vereinbarungen, die die Dauer von Tarifverträgen regeln. In Abschnitt 3 werden der Grad der Zentralisierung, die Mechanismen für die Verknüpfung verschiedener Verhandlungsebenen und die Anwendung von Ausnahmeregelungen und Opt-out-Klauseln erörtert. Die verschiedenen Formen und der Grad der Verhandlungskoordinierung in den OECD- und Beitrittsländern werden ebenfalls zusammen mit der tatsächlichen Durchsetzung von Abkommen und der Qualität der Arbeitsbeziehungen untersucht. In diesem Abschnitt werden auch die Arten der Arbeitnehmervertretung beschrieben, die auf Unternehmensebene vorhanden sind. Abschnitt 4 enthält einen zusammenfassenden Vergleich der verschiedenen nationalen Tarifverhandlungssysteme in der OECD und den Beitrittsländern auf der Grundlage der in den Abschnitten 1-3 analysierten Schlüsselelemente. Die Absicht ist es, ein detailliertes Porträt des Systems als Ganzes zu liefern, anstatt nur die Summe seiner Komponenten. Schließlich werden abschließend die wichtigsten Herausforderungen für Tarifverhandlungssysteme und Prioritäten für die künftige Forschung erörtert.

In Österreich gibt es keine gesetzliche Mindestlohnregelung. Die Mindestlöhne sind nicht gesetzlich festgelegt, sondern in Branchen-/Branchentarifverträgen festgelegt. Der Lohn satzfürh für die am wenigsten qualifizierte Gruppe von Arbeitnehmern bestimmt den de facto Mindestlohn für die Industrie, die unter den geltenden Tarifvertrag fällt.